Bleirohre als Gefahr für alte Bausubstanz

Bleirohre als Gefahr für alte Bausubstanz

Rund 32.000 Gründerzeithäuser bzw. Häuser aus der Zeit vor 1919 stehen in Wien. In vielen dieser Gebäude sind noch alte Wassersteig- und Wohnungsleitungen aus Blei verbaut. Das Metall ist nämlich biegsam, man muss nichts schweißen und günstig ist der Rohstoff ebenfalls. Deshalb wurden bis in die 1930er Jahre in Wien öffentliche und private Wasserstränge aus diesem Metall verlegt. Inzwischen sind jedoch die gesundheitsschädigenden Langzeitwirkungen von Blei auf die Organe und das Nervensystem des Menschen erforscht und nachgewiesen worden.

Im öffentlichen Wassernetz hat die Abteilung „Wiener Wasser“ deshalb schon bis zum Jahr 2007 sämtliche Hausanschlussleitungen aus Blei ersetzt. Für Leitungen im Stiegenhaus und innerhalb der Wohnungen, sind jedoch die Haus- bzw. WohnungseigentümerInnen zuständig.

Woran man offen liegende Bleirohre erkennt

Bleirohre sind meisten von grauer, matter Farbe. Wenn man sie mit einem Stift oder Fingernagel leicht anritzt, glänzt der dadurch entstandene Riss silbern. Blei ist ein weiches Material, darum werden diese Rohre nicht geschraubt, sondern meistens gesteckt. Die Verbindungen sind oft wulstig und auch der Durchmesser der Rohre ist sehr unregelmäßig.  

Bleirohre sind schlecht für die Bausubstanz

Abgesehen von den gesundheitlichen Folgen, die Bleileitungen mit sich bringen können (Blei kann bei einem niedrigen Wasser pH-Wert von 6,5 und weniger durch Stagnationswasser, das lange in den Leitungen verweilt, herausgelöst und beim Trinken vom Körper aufgenommen werden) kommen diese Wasserrohre nun in ein Alter, in dem sie porös werden und leichter bersten können.

In den häufigsten Fällen darf man sich dies jedoch nicht als großen „Knall“ vorstellen: Es beginnt vielmehr mit einem oder mehreren feinen Haarrissen in Längsrichtung des Bleirohres. Schnelle Temperaturwechsel, Vibrationen in der Mauer und andere externe Faktoren tragen zur plötzlichen Bildung eines Haarrisses bei und plötzlich kann Wasser entweichen. Ganz langsam.

Wenn sich in einem Haarriss (siehe Abbildung) Wassertröpfchen bilden, kann das auf Dauer zu großen Wassermengen führen, die sich über Wochen hinweg im Mauerwerk verbreiten, bis die Feuchtigkeit über den Putz wieder abgegeben wird und meistens Schimmel die Folge ist.

Bei einer durchschnittlichen Tropfengröße von 0,5mm Durchmesser (und einem Volumen von einem zwanzigstel Milliliter), der jede Sekunde aus einem einzelnen Haarriss austritt, sickern fast vier Liter Wasser unbemerkt in die Mauer – pro Tag. Nach etwas mehr als drei Wochen haben sich 100 Liter im betroffenen Bereich verteilt. Erst jetzt zeichnet sich das Ausmaß des Schadens durch Schimmelbildung ab.

Bleirohre als tickende Zeitbombe

Je nach Gebäudebündel- oder Haushaltsversicherung werden bei einem Wasserrohrschaden nur kurze Abschnitte der Wasserleitung getauscht. Und wenn ein Abschnitt aus einem alten Rohr einmal ausgetauscht worden ist, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass rund um die neuen Verbindungsstellen wieder ein Wasserschaden auftritt, bei ca. 40%.

Unsere Empfehlung: analysieren Sie genau, wo in Ihrem Gebäude noch Bleirohre verlegt sind und bereiten Sie den Austausch des ganzen Wasserstranges vor – spätestens, wenn Sie bei einem Leitungsabschnitt einen Haarriss oder einen Rohrbruch haben, sollten Sie sich ernsthaft überlegen, die gesamte Leitung auszutauschen!

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